#deutschlandsagtsorry, #sorry2010: Peng Collective gegen BMAS – well played!

Eine scheinbare Entschuldigung des Bundesarbeitsministeriums (BMAS) für die Agenda 2010 löste gestern zunächst Verwunderung aus.
In Wirklichkeit hatte das Peng Collective mit DIE POPULISTINNEN eine Ente gestartet, einen Hoax, einen Prank, ein False-Flag-Dingens.

Die Entschuldigung des BMAS für die Agenda 2010 hat das Kollektiv auf einer passend zurechtgemachten Webseite verbreitet, auf youtube, mit Plakaten.

Der Sinn einer solchen Aktion liegt darin, jemanden zu einem Dementi zu zwingen, à la „Nein, ich habe nicht aufgehört, meine Frau zu schlagen!“, in diesem Fall also: „Nein, wir entschuldigen uns nicht für die Agenda 2010.“

Ein berühmtes Beispiel für eine solche Aktion ist ein Prank der Yes Men, die 2004 Dow Chemical dazu zwangen, zu dementieren, daß der Konzern die volle Verantwortung für den Chemie-Unfall im indischen Bhopal 20 Jahre früher übernehmen würde.

Dieser empfehlenswerte Film über die Yes Men zeigt die brillante Aktion und einige weitere, auf deutsch:

Auch den POPULISTINNEN ist es gelungen, zu erreichen, daß das BMAS reagiert, und sich dabei selbst naßmacht.

Auf Facebook äußerte das BMAS sich so:

BMASFacebook

Im ersten Satz bezieht sich das BMAS auf Jan Böhmermann, allerdings ohne konkret Roß und Reiter zu nennen, man will es schhließlich nicht gewesen sein.

Auf was genau spielt man da an? Die Aktion des Peng Collective wird mit dem Schmähgedicht von Böhmermann gleichgesetzt, welches dieser zitierte, um die Grenzen der Satire aufzuzeigen.

Böhmermann erhielt dafür Morddrohungen, hunderte Strafanzeigen, er hat alle seine Sendungen abgesetzt, die Bundesregierung eröffnete einem Diktator die Möglichkeit, Böhmermann archaisch wegen Majestätsbeleidigung zu vefolgen, und die Bundeskanzlerin sorgte persönlich für eine Vorverurteilung.

Eine Anspielung hierauf ist also eine ganz schöne Keule. Durch und durch unangemessen, und den Betroffenen Erwerbslosen gegenüber eine absolute Schweinerei.

„Wer politische Verantwortung trägt, steht da natürlich besonders im Fokus.“ Ja, daß das BMAS politische Verwantwortung übernimmt, davon träumen Erwerbslose ja schon lange! Leider bleibt es bei der einen Floskel.

Wie richtige Trolle das eben so machen, bleibt das BMAS ansonsten auf der Meta-Ebene und ergänzt die verhüllte Drohung (und als solche verstehe ich die Böhmermann-Anspielung) mit der Forderung, die Satire mehr kenntlich zu machen. Denn wir Erwerbslosen sind ja bekanntermaßen nicht so schlau und könnten womöglich noch auf die Idee kommen, das BMAS wolle sich wirklich entschuldigen.

Daß Satire nur mit streng reglementierter Packungsbeilage erlaubt sein soll, war mir in der Form jetzt auch neu.

Diese rhetorische Grobmotorik des BMAS ist Erwerbslosen schon bestens bekannt.

Das BMAS weiß, und wir wissen: das BMAS kann es sich erlauben. Wir kennen das BMAS nicht anders.

Über die Öffentlichkeitsarbeit des BMAS hatte ich hier im Blog auch schon ein paarmal geschrieben:
Keine Entschärfung von Sanktionen – spektakulärer Propaganda-Erfolg für’s BMAS*
Kampf der Gigantinnen: Die Bundesagentur für Arbeit gegen die Meinungsfreiheit (Essay)
Weiterhin offene Gesprächsverweigerung des BMAS*
Still not loving Lösekrug-Möller

Übrigens:
Vorwärts, das „Zentralorgan“ der SPD, behauptet servil:

und punktet gleichzeitig selbst auf der eigenen Homepage mit einem Brüller, der auch nicht als Satire gekennzeichnet ist, und ich prangere das an, einself:

Auf dem Screenshot der Vorwärts-Homepage sieht man nebeneinander Teaser für zwei Artikel. In dem einen wird die Erklärung des BMAS gelobt, in der eine Anspielung auf Jan Böhmermann enthält, der im Auftrag von Erdogan verfolgt wird. Direkt daneben empört man sich, daß selbiger Erdogan Frauen verbiete, in der Öffentlichkeit zu lachen.
Screenshot der Vorwärts-Homepage 28.4.2016

Update: Heute gab es eine weitere Aktion, hier ein Bericht vom Nordstadtblogger.

Update: Von der Aktion gestern gibt es ein Musik-Video, das ist klasse, schaut Euch das mal an!

Gib deine E-Mail-Adresse ein, um diesem Blog zu folgen und per E-Mail Benachrichtigungen über neue Beiträge zu erhalten.