Ihre Opfer nennen sie „Kunden“ (Gedicht von Nick N.)

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Foto von einem Gemälde: Jemand versucht, den Deckel von einem Sarg aufzudrücken und herauszuklettern.

Beim Prokrastinieren entdeckt:

Ihre Opfer nennen sie „Kunden“

Wenn Sie Dir alle Rechte nehmen
indem sie es „mangelnde Eigenbemühung“ nennen,
wenn Du ein Recht in Anspruch nehmen willst,
und Dich dafür bestrafen
(das nennen sie „Sanktionen“),
und dich so aus der Gemeinschaft derer ausschließen,
die Rechte haben,
dann nennen sie das „Integration“
und die Person, die das mit Dir macht,
nennen sie „Integrationsfachmann“.


Und ihre Opfer nennen sie „Kunden“.


Diesen Ausschluß aus der Gruppe derer,
die Rechte haben,
bezeichnen sie auch als „Eingliederung“.
Und weil es dabei um Menschenrechte geht,
gehörst Du jetzt nicht mehr zu den richtigen Menschen.
Jetzt nennen sie Dich „eingegliedert“.
Und den Zwang,
aktiv an Deiner Ausgliederung
aus der Gemeinschaft der Menschen mitzuarbeiten,
den nennen sie „Vereinbarung“.


Und ihre Opfer nennen sie „Kunden“.


Ihre Drohungen
nennen sie „Rechtsfolgenbelehrungen“.
Und ihre strafbewehrten Vorladungen
nennen sie „Einladungen“.
Zwangsarbeit nennen sie „Arbeitsgelegenheit“
und „Jobangebot“
und „Praktikum“
und „Maßnahme“.
Zwangsarbeit hat viele Namen
 im JobCenter.

Und ihre Opfer nennen sie „Kunden“.

Wenn sie Dir jeden Einfluß
auf die Gestaltung Deines eigenen Lebens
aus der Hand reißen wollen
dann nennen sie das „Eigenverantwortung“.
Und wenn Du Dich dem widersetzt,
weil Du Dein Leben selbst gestalten willst,
dann nennen sie Deinen Widerstand
„mangelhafte Eigenmotivation“.


Und ihre Opfer nennen sie „Kunden“.

Und wenn Du diese Vorgänge anders nennst,
dann zweifeln sie an Deiner geistigen Gesundheit.
Und wenn diese Vorgänge Dich erschrecken,
dann nennen sie es „mangelnde seelische Ausgeglichenheit“.

Und wenn sie selber diese Vorgänge anders nennen,
dann zweifelt man an ihrer geistigen Gesundheit.
Und wenn sie selber Angst bekommen,
dann nennt man sie „seelisch unausgeglichen.“

Und ihre Opfer nennen sie „Kunden“.

Nick

Und ich erlaube die nichtkommerzielle Verbreitung, unter der Bedingung, dass der Text nicht verändert wird und ich, Nick N., als Autor genannt werde, und hier ist die vollständige Lizenz:
http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/de/legalcode

#########

Da Nick N. sein Gedicht unter eine Creative-Commons-Lizenz gestellt hat, kann ich sicher sein, daß es für ihn okay ist, wenn ich das Gedicht hier abdrucke. Feine Sache.

Hier ist die Fundstelle des Originals.

Jetzt gibt es auch ein Video von dem Gedicht:

Mit einer Creative-Commons-Lizenz kann jede einen Inhalt legal nutzen und weitertragen, wenn sie sich an die Bedingungen der Lizenz hält.

Deswegen nutze ich hier mal die Gelegenheit und zeige noch eine Infografik zu Creative Commons. Sie steht unter der Lizenz CC-BY-SA, Urheber ist Martin Mißfeldt/ Bildersuche.org und die Original-Fundstelle ist hier.

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32 Gedanken zu “Ihre Opfer nennen sie „Kunden“ (Gedicht von Nick N.)

      1. Ach, das Jobcenter inspiriert doch geradezu für Lyrik. Es gibt doch da so auch einen Schlager einer berühmten Schlagerqueen…, der Andrea, der vom Berg, beim Betreten eines Jobcenters fiel ihr auf:
        „Der Verstand, der hat hier Schweigepflicht
        nein das Denken interessiert hier nicht
        unterschreib‘ die EGV
        nimm’s mit dem Denken nicht genau.
        Der Verstand der hat hier Schweigepflicht
        deine Rechte interessieren nicht
        drum unterschreib‘ doch mal
        genieß` die Höllenqual
        tamtamtamtamtamtamtamtam“

        Gefällt 2 Personen

          1. Das gibt es in dem Sinne auch gar nicht, ich habe mir das gerade ausgedacht, ich habe das auf die Melodie des Refrains „Die Gefühle haben Schweigepflicht“ der Schlagersängerin Andrea Berg zusammengetextet, eine Art Parodie also! Aber ich wollte mit meinem sarkastischen Jobcenter-Schlagerausflug jetzt nicht von dem guten Gedicht von Nick N. ablenken.
            Darum lenk ich mal wieder zu dessen Gedicht:
            „Wenn sie Dir jeden Einfluß
            auf die Gestaltung Deines eigenen Lebens
            aus der Hand reißen wollen“
            schreibt Nick N. – das ist eines der vielen grausamen Dinge an Hartz IV oder vielleicht das, worin das wenige Geld, die Schikanen, der rechtsfreie Raum, dem man sich entgegensieht, letztendlich münden – dass man sein Leben gar nicht mehr gestalten kann, kaum Ziele entwickeln kann etc. Ich fühle mich mit Hartz IV in der Tat so, als würde mir mein Leben geklaut. Besonders schlimm ist das bei intensiver „Betreuung“. Joboffensive, Intensivvermittlung und wie auch immer diese „Projekte“ auch heißen mögen, es bleiben einem kaum oder gar nicht Fluchtwege.

            Gefällt 1 Person

            1. Aaaah gerade noch rechtzeitig 😀
              Vor ein paar Minuten hatte ich angefangen, nach „Andrea Berg Jobcenter Song“ zu suchen *GGG*

              Ja, die klauen einer das Leben (und wollen es dann gar nicht haben). Das hat mir auch so gefallen an dem Gedicht.

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              1. Ja, dass sie das dann geklaute Leben gar nicht haben wollen, ist ein weiterer Aspekt…

                Dein Link unten vom berliner kurier ist ja auch lustig – ich stelle mir gerade vor, ich gehe zu meinem Arbeitsvermittler und erzähle ihm, ich möchte per Eingliederungsvereinbarung festmachen, dass mein berufliches Ziel Double von irgendwem ist – ach, warum nicht eigentlich gleich auch von Andrea Berg 🙂 ! Wenn er dann das nicht ernst nimmt, kann ich ja auf den Artikel im berliner kurier verweisen und dass das in dem beschriebenen Fall ja finanziert wurde vom Jobcenter, da dürfe er mein Vorhaben nicht so einfach abweisen – notfalls klage ich mir das Doublen ein vorm Sozialgericht, denn ohne Doublen läuft die Showse nicht 🙂

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    1. Wow, das ging schnell. 🙂 Wie cool, daß es das jetzt auch als Video gibt!

      Wie ich sehe, ist das Video noch nicht gelistet.
      Ich weiß nicht, ob Du da nochmal ran willst, aber falls ja: Ich habe grade gesehen, daß da ein paar Fragezeichen reingeraten sind, die da gar nicht hingehören.
      Ich nehme an, daß es ne Menge Arbeit war, das Video zu machen, und weiß ja nicht, ob es für Dich in Frage kommt, alles nochmal zu machen.
      Ein andere Vorschlag wäre, die Original-Fundstelle auf chefduzen noch unter dem Video zu verlinken:
      http://www.chefduzen.de/index.php?topic=24678.msg244512#msg244512

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  1. Im MobCenter arbeitet der Abfallmanager, denn DU bist im Fall und er begleitet dich dabei. Als ‚Kunde‘ verkaufst du dein Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit und dein Recht auf ein Existenzminimum um als ‚Gegenleistung‘ dieses Gundeinkommen zu vom MobCenter zu erwerben.
    Ich habe einst meinem Sachenbearbeiter erklärt, dass er (nicht ich) der Parasit ist, der sich eine Fantasierarbeit erschleicht und von dem Geld bezahlt wird, dass für mich vorgesehen ist. Arbeiten tut er nicht, da er lediglich dazu da ist, mir Steine in den Weg zu legen, mich zu belügen und mich zu bestrafen um so der Firma MobCenter ‚Gewinne‘ zu beschaffen auf Kosten meiner Würde und Gesundheit.
    Die F-11 Taste hatte er schon gedrückt und just in dem Moment, als er mich anschrie:’jetzt ist aber Ruhe hier, jetzt rede ich!‘ stand auch schon der verdutzt drein blickende Wachmann in der Tür und fragte sichtlich verwundert, was hier los sei.

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    1. F11 -Hilfe!
      -Hillllllffffffeeeee!-
      Mit bester Unterstützung von Microsoft, dem grossen Überwachungskonzern für den kleineren Bruder!
      SOFT- und HARDware und andere, weichGEKLOPFTE, Ware.

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      1. Daß es Notrufsysteme gibt, wußte ich. Hab mir darunter aber immer sowas wie einen Klingelknopf unter der Tischplatte vorgestellt – wahrscheinlich zu viele Krimis gekuckt 😀

        Ich dachte, der ganze Computerkram kommt bei denen von spezialisierten Software-Schmieden?

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  2. Ich weiss, das Ganze darf nicht entgleisen – das ist keine Gedichtplattform – doch vielleicht drückt wer nochmal ein Auge zu ;-).

    Lied des Hartzers

    1.
    Das echte Harz, das schliesset ein
    Die wahre Pracht vom Edelstein
    Und des Lebens manche Spur
    Im Blutopfer der Natur.
    Es erleuchtet uns so gern
    Mit Vergangenheit der Stern,-
    Nachlicht des schönste n Tages,
    Dem Menschen jeden Schlages.
    Auch trüber als der Quartz –
    Das ist des Hartzers Hartz!

    2.
    Die echte Tint‘, die füllet bald
    Ergussfreudig den Blätterwald-.
    Doch Juristentum darin,
    Für Farblicht ohne Sinn,
    Das breitet rasend sich,
    In Tinte patschend emsiglich!
    DEN Gedanken bannt es fest,
    Mit dem Tintenpech verkleckst!
    Denn tieftintenschwarz,
    Das ist des Hartzers Hartz!

    Gefällt 1 Person

    1. Schon wieder ne Gewissensfrage: Will ich hier einen Kommentar stehen haben, in dem auf „Blutopfer der Natur“ Bezug genommen wird?

      Man *kann* das Gedicht so lesen, daß der Begriff negativ besetzt und eine Kritik an Hartz IV ist. Muß man aber nicht, man kann das auch anders deuten.

      Was spricht eigentlich gegen den Begriff? Meine erste Assoziation: Nazi-Kacke, eindeutig. Doch google sagt was anderes: Von „Blutopfer“ ist in allen möglichen Zusammenhängen die Rede, auch zum Beispiel von den „Blutopfern“ von AntifaschistInnen im Kampf gegen den Faschismus (okay, das stimmt nicht, bezieht sich ausschließlich auf Männer, soweit ich das jetzt bei meiner oberflächlichen Suche gesehen habe).

      Warum finde ich es trotzdem nicht gut, mit diesem Begriff herumzuschmeißen, ohne sich ganz eindeutig dazu zu positionieren?

      Ich zitiere mal laut Google-Leseprobe (ab S.17 unten) aus dem Buch „Vom Denken der Natur: Natur und Gesellschaft bei Habermas“ von Egbert Scheunemann:

      „Ich werde auch etwas detaillierter darauf hinweisen müssen (mehr auf die Logik, weniger auf die Empirie), daß von Menschen verursachte Vernichtungsorgien immer dann die größten waren, wenn jene zur Tat schritten, die sich auf naturorientierte Ideologien und Ethiken beriefen: Nationalsozialisten, Ethnozentriker, Rassisten, Blut-und-Boden-Ideologen, Sozialdarwinisten, Blutopfer praktizierende ‚Naturvölker‘ oder jene, denen der deutsche Schäferhund schon immer wichtiger war als der ausländische Mitmensch. Fasziniert von der – in der Tat immensen – Gewalt der Natur, ihrer Strenge, Härte und Gnadenlosigkeit, übte man konsequent Strenge, Härte und Gnadenlosigkeit auch in der Menschenwelt. Das ist kein historischer, also empirischer Zufall, sondern dahinter steckt, wie ich aufzeigen werde, eine fast zwingende Logik.“

      Sobald man also die Natur als unhinterfragbare Quelle moralischer Imperative einsetzt, gelangt man fast zwingend zu schrankenloser Gewalt – oder man muß derart inkonsequent sein, daß man die selbst gewählte Argumentationsbasis der Naturnähe wieder völlig aushöhlt. Mit „Blutopfern der Natur“ gerät man da schon über die Grauzone hinaus.

      Man kann bei der Agenda 2010 schon mit einigem Recht unterstellen, daß sie Sozialdarwinismus und gerade solche Logiken in sich trägt, doch finde ich es wichtig, dabei klar zu machen, ob es etwas ist, was man *über* die Agneda 2010 sagt, oder ob man sich diese Logik sich selbst zu eigen macht. Und was das betrifft, finde ich die Bezugnahme in dem Gedicht uneindeutig und somit in einer Grauzone, und hab mich jetzt entschieden, es zwar durchzulassen, aber nur mit diesem Kommentar.

      Die Leseprobe müßte man unter diesem Link finden:
      https://books.google.de/books?id=uDFqI7c-sKoC&pg=PA18&lpg=PA18&dq=blutopfer+der+Natur&source=bl&ots=c9214iWGqf&sig=PMD4dz4TqLj8Yj2PCXITkmTlCT8&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwi11M6Tj77NAhUEKsAKHfx9AJwQ6AEIKjAD#v=onepage&q=blutopfer%20der%20Natur&f=false

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  3. Liebe Jobcenteraktivistin!
    erst einmal Danke, dass sie das Gedicht freigegeben haben.
    Sie haben es im Prinzip schon richtig erkannt.
    Zun „Blutopfer“ kann man tausend Assoziationen herstellen, auch in diesem Zusammenhang:
    zum Beispiel kann man auch im übertragenen Sinn für oder wegen etwas bluten, (oder eine ganze Gesellschaft), ein „frisches Blut“ haben im Wandel einer Enwicklung (Entwicklung ist ein wesentlicher Bestandteil der Natur), das eigene Blut (- Lebenspuls) kann eine Schreibfluessigkeit sein die Vergangenes fixiert usw usf).
    Dass der beanstandete Ausdruck, im Gleichzug mit Hartz 4 benannt, auch Gedanken an extrem nationalsozialistische Tendenzen erwecken muss, ist gewissermassen unvermeidlich, sollte jedoch nicht dem Autoren oder Gedicht zur Last gelegt werden.
    Ohne die Brisanz des Themas würde er den Stift nicht in die Hand genommen haben, von welcher Richtung aus man es auch betrachtet wissen will.
    Beim gewissenhaften Studium des SGBll, Hand aufs Herz: Was löst, gerade im Kontext der Geschichte, nicht Schrecken über Schrecken in uns aus? Das Gedicht soll auch ganz klar einige Parallelen offenlegen.
    Doch falls es etwas verschlägt, so will ich mich gerne ausdrücklich von dem Nahegelegten distanzieren und schon gar nicht irgendjemanden in Verruf bringen.

    Viele Grüße!

    Gefällt 1 Person

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