Vom Unverständnis der Erwerbslosen, Teil zwei

Die Geschichte, daß Erwerbslose die Schreiben vom Jobcenter einfach nicht „verstehen“, ist schon Jahre alt, und mußte schon für alles mögliche herhalten.

So hat es zum Beispiel mal den Plan gegeben, Rechtsstreitigkeiten zwischen Erwerbslosen und Jobcentern zu vermeiden, indem man den Erwerbslosen die Bescheide einfach besser erklärt.

Zu diesem Zweck hatte das Jobcenter Mitte mal einen „Bescheiderklärer“.

Gnihihi.

Report Mainz hat damals einen Bericht gesendet. Ja, damals, denn das war 2010. In dem Bericht kann man sich ansehen, was der Bescheiderklärer in Wirklichkeit gemacht hat: Er hat nochmal Rücksprache mit den SachbearbeiterInnen gehalten und dafür gesorgt, daß rechtswidrige Bescheide richtiggestellt werden.

Beim besten Willen fällt das nicht mehr unter „jemandem etwas erklären“.

Video ca. 7 min.

(Fairerweise: Andere Berichte sagen, daß dies nur in einem Drittel der Fälle geschah.)

Gnihihi.

Ich habe im ersten Teil dieser Serie der verbreiteten Erklärung für dieses Unverständnis widersprochen: nämlich, daß zwischen der Komplexität der Materie und den geistigen Kapazitäten der Erwerbslosen eine Lücke klafft.

Bevor es zu dieser ganzen Bescheiderklärerei kam, gab es übrigens im Duisburger Jobcenter einen Ombudsmann.
Das Problem war nur: Der ehemalige Regierungsdirektor Dietrich Schoch war als Ombudsmann unabhängig, und er fühlte sich verpflichtet, die Öffentlichkeit über die Mißstände aufzuklären, die im Jobcenter herrschen.

Daher wurde er geschaßt.

Die Geschichte, die er zu erzählen hat, klingt ganz anders als die von den dummen Erwerbslosen, die ihre Bescheide einfach nicht verstehen. Laut Schoch werden die Probleme vom Jobcenter verursacht, nicht von den Erwerbslosen.

Ich empfehle diese 2010 gesendete Dokumentation über Schochs Tätigkeit als Ombudsmann, und das Ende dieser Tätigkeit, auch zum Vergleich mit dem ersten Video.

Video ca. 44 min.

Die Mißstände, die Schoch anprangerte, haben sich bis heute nicht verändert:
Mangelnde telefonische Erreichbarkeit, Unterlagen verschwinden, zustehende Leistungen werden vorenthalten.

Diese seit Jahren immergleichen Probleme werden versteckt: Hinter der Geschichte von den Erwerbslosen, die einfach nur mal ihre Bescheide ordentlich erklärt bekommen müssen.

Foto: Ein Baby gähnt. Text: Eintönig!!! Immer dasselbe beim Jobcenter

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5 Gedanken zu “Vom Unverständnis der Erwerbslosen, Teil zwei

  1. Nicht nur die Probleme werden versteckt! In den vielseitigen Bescheiden wird auch oft unbesprochenes oder gar gegensätzliches versteckt. So irgendwo zwischendrin, kaschiert mit Gesetzestexten und die tönen dann alle ’sie wurden informiert, wir haben es ihnen doch geschrieben‘.
    Zwar nich in einem Bescheid sonden in einem Gespräch (stell. JC Geschäftsführer) das protokolliert werden sollte – dabei ist bereits aufgefallen dass die Mitarbeiterin nur sporadisch schrieb. Darauf angesprochen, hieß es ‚Sie protokolliert doch‘ – wieso sie nicht wörtlich dokumentierte, denn Aufzeichnung wollte er im Gegensatz zu seiner Geschäftsführerin nicht machen, trotz voriger Zusage wegen der Gesundheistschäden, hat niemand beantwortet. Am Ende ließ Bruno das Protokoll vorlesen – da waren ganz neue Dinge drin, u.a. dass er die Namen der als informierten, beteiligten Personen, inzwischen nennen wir sie nur noch Verbrecher gegen Menschenrechte, auf der Webseite löschen lässt. Da er darauf keinen Einfluss hat, konnte er das nicht zusagen und auch dann hätte er es nicht. Er hat sie auf den Klage verwiesen und dass er sich darüber freut, weil es dann doch vor Gericht kommt und er gespannt ist, wie das Jobcenetr gegen die nachgewiesene Wahrheit klagen will. Die Namen stehen immer noch auf den Seiten und haben sich inzwischen vermehrt.
    Übrigens, sicher hat auch niemand die Personen aufgeklärt, was sich RECHTLICH hinter der Eingliederungsvereinbarung versteckt, nämlich ein privater Vertrag, der einzuhalten ist. Dass der immer Zugunsten der Behörden lautet, liegt in der Natur des BösenähBehörden. Damit wollen die wieder Zeit schinden und Menschen schikanieren – denn wie soll man als Erwachsener erklären, dass man so was unterschrieben hat, ohne Bedenkzeit und ohne Prüfung – dann wird mit Sanktionen gedroht = Nötigung/Erpressung.
    PS seit gesteern Mittag werden die Bürger von BW in der Aktion gegen Rassismus auch über diesen Behördenrassismus informiert – die Politiker, usw. schweigen – die nennen Menschen mit Behinderung nicht nru ‚Assxxxxh‘ sondern verweigern auch die akute Unfallbehandlung (Tetanus) – mehr hier: https://dassindbrunosmoerder.wordpress.com/initiative-gegen-rassisten-im-landtag/
    Bruno ist ebenso willkürlich inhaftiert wie Julian Assange justice4assange.com

    Und zum Schluss noch was zur Unterhaltung – die Prognose für die BW Wahl am 13/03/2016:
    CDU 31 / GRÜNE 28 / SPD 14 (vierzehn – Januar noch 15, will aber grobe CDUSPDFDP Korruption machen – was rauchen die so?) / xfx 12 / FDP 8 / Linke 4 / sonstige 3
    http://www.swr.de/landesschau-aktuell/bw/bw-trend/swr-umfrage-bw-trend-februar-2016-die-ergebnisse-im-ueberblick/-/id=14298842/did=16973156/nid=14298842/1obdej7/index.html

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  2. Man kann es so zusammenfassen:
    Wenn man die Bescheide haette begriffsverstaendlicher gestalten wollen, haette man sie auch , ohne Hinderungsgrund, transparenter gestaltet (jeweils mit erlaeuterndem Verweis auf den jeweiligen Passus des Grundgesetzes). Das haette sogar, erheblich die Angelegenheit vereinfachende, Einkuerzungen und somit Einsparungen in direkter und weiterer Folge erbracht!
    Alles andere macht nur unlautere Absichten deutlich.
    Punkt.

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  3. Mir ist, als ich vor Jahren von diesen „Bescheiderklärern“ gehört habe, schon die Galle hochgekommen. – Aber es ist ja für das „Jobcenter“ mehrfach nützlich, wenn bei der Pseudo-Behörde jemand sitzt, der dem dumme Arbeitslosen weismacht, daß alles seine Richtigkeit habe. Er kommt nicht auf die Idee, woanders zu fragen, man hat eventuell eine Klage weniger (auch wenn ohnehin nur sehr wenige Betroffene klagen, macht das etwas aus), die Widerspruchsstelle wird entlastet, Sanktionen werden vermehrt hingenommen, etc.
    Aber daß dort jemand sitzt, der echte (Rechts-)Beratung leistet, kann man ja von einem Verbrechersyndikat auch nicht ernsthaft erwarten.

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  4. Es kann ja nur so gewollt sein?!Menschen die man momentan oder auf lange Sicht nicht weiterverwerten kann kosten Geld das man einsparen möchte um seinen Arbeitsplatz zu erhalten, oder mögliche Prämien zu erhalten, es geht nur um Einsparungen nicht um die Betroffenen die mit der Leistung wohl überleben können von der gesellschaftlichen Teilhabe aber ausgeschlossen sind.

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