Jobcenter mal andersrum. Eine Phantasie.

Wie wär’s, wenn wir die SanktionärInnen mal zurücksanktionieren würden?
Da könnten wir sicher viele Konflikte selber regeln und bräuchten nicht dauernd das Sozialgericht belästigen.

Mein „Arbeitsvermittler“ kommt mir heute etwas lahm vor, da muß ich doch mal seine Motivation testen.

Ich schlage ihm also einen einjährigen Basiskurs im Formbriefeausdrucken und Briefmarkenablecken vor.
Selbstverständlich ist dieser Kurs völlig sinnlos, denn der Typ kann (zu meinem Leidwesen) schon ganz prima Formbriefe ausdrucken.
Das gebe ich auch ganz offen zu, denn schließlich geht es ja bei dem Kurs darum, daß er seine Motivation, seinen festen und bedingungslosen Willen, mich bei der „beruflichen Eingliederung“ zu unterstützen, mal unter Beweis stellen soll.

Sowieso geht es ja erstmal um so grundlegende Sachen wie Service-Orientierung, Teamfähigkeit, Belastbarkeit und eine realitätsnahe Heranführung an den nicht-prekären Arbeitsmarkt.

Wie, er könnte ja beweisen, daß er mich bei der „beruflichen Eingliederung“ unterstützen will, indem er Sachen macht, die dazu beitragen? Das hätte er doch längst tun können, und das würde ich ja wohl daran merken müssen, daß ich nicht mehr arbeitslos bin!!???

Da fehlt’s doch bei dem für mich zuständigen Sanktionär schon an der Grundeinstellung!

Ich schlage also diesen Kurs vor, und erkläre ganz genau, was ich mit ihm mache, wenn er ihn nicht antritt, das ist schließlich nur fair.

Und wie diese „ArbeitsvermittlerInnen“ so sind (faul und ungebildet, und dieses Anspruchsdenken! Anderenfalls würde es doch nicht eine so hohe Arbeitslosigkeit geben), fängt er sofort an zu moppern. Ich habs ja gleich gewußt!

Damit zeigt er mir, daß ich ganz richtig gelegen habe! Der Motivationstest bringt es zweifelsfrei ans Licht, der Motivationstest funktioniert immer: Der Mann hat überhaupt nicht die Absicht, seinen Job zu machen, für den er VOM STEUERZAHLER!!!! bezahlt wird, und somit hat er auch keinen Anspruch auf sein Gehalt.

Da sowas bei ihm schon früher mehrfach vorgekommen ist, muß ich ihm jetzt (leider, leider) für drei Monate das volle Gehalt streichen, tz tz tz.

Und sowas tut man ja überhaupt nicht gerne, neinneinnein, deswegen ist es ganz schön fies von ihm, daß er mich dazu zwingt, und ich mache ihm entsprechende Vorhaltungen. Dabei steigere ich mich richtig rein, denn der Typ nervt mich schon lange. Als ich sein Büro verlasse, ist er total fertig.

Leute, so würde es aussehen, wenn Erwerbslose „auf Augenhöhe“ mit dem Jobcenter kommunizieren könnten, und wenn Ihr die Vorstellung auch so eklig findet, dann bitte vollzählig erscheinen, Petition unterschreiben, whatever*, wenn es heißt:

Weg mit Sanktionen!

Danke an @carridwen für die Idee.

* Mangels einer konkret anstehenden Aktion rufe ich Euch zumindest dazu auf, diesem Blog zu folgen. Rechts neben dem Text.

Update: Paar Beispiele? Hier zum Beispiel hat Bewerbungstraining nichts mit Chancen am Arbeitsmarkt zu tun.
Oder hier: Bert Neumann sollte zum dritten Mal in einem Computerkurs lernen, wie man eine Maus bedient – obwohl er sich sehr gut mit Computern auskennt. Totalsanktion.

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3 Gedanken zu “Jobcenter mal andersrum. Eine Phantasie.

  1. Erfüllen Sanktionen nicht den Tatbestand der Körperverletzung ??? Meine Gegenreaktion könnte ganz schnell ein Faustschlag in die dämliche Fresse meiner Sachbearbeiterin sein – wenn sie nicht spurt! Ich habe diesen Schritt (Notwehr) in einen Brief an das „Jobcenter“ Rendsburg (sehr eindrucksvoll) angedroht und bin seit dem beim Sozialamt. Ich empfehe jedem, der vom „Jobcenter“ die Schnauze voll hat, sich OHNE ENDE krankschreiben zu lassen, psychische Probleme / Stimmen hören / etc. Termine beim Neurologen sind rar und können Monate dauern (bis dahin krankschreiben lassen). Hartz IV macht krank, dürfte also nicht schwer sein sich auf diesem Wege diesen Nazis zu entziehen! Gruß, Joachim

    P.S. Wer beim Sozialamt ist, oder Grundsicherung erhält, kann natürlich trotzdem (ganz entspannt) auf Arbeitssuche gehen und ohne Existenzangst einen Job annehmen oder ablehnen. Das Ziel (???): SECHS MILIONEN PSYCHISCH KRANKE – das dürfte das System locker in die Knie zwingen!

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  2. … nun eine eher lustige Idee und auf der anderen Seite ist die Lage viel zu ernst. Eine Sanktion soll ja seine Grundlage, Sinn und Zweck haben. Keineswegs abwegig ist es das auch Leute die beim KJC wirken Fehler tun die in Unabsicht oder gar in Absicht geschehen. Ein betroffener wird es schwer treffen. In Absicht Unrecht zu tun kann einen betroffenen sogar umbringen. Alle Fälle soll es ja schon gegeben haben.

    Berechtigte Frage wie sieht denn eine Sanktion aus die gegen ein Mitarbeiter des KJC angewendet wird der falsche Sanktion tat ?

    Ich muss zugeben ich liebe es wenn die Leute an dieser Stelle selbst Recherchen tun und ich nicht alles was ich schreibe haarklein auslegen muss. In der regel wirst du feststellen das selbst bei groben Fehler der betroffene Mitarbeiter kaum mit ernsten Folgen rechnen muss. Selbst wenn oberste Gerichte von schwerwiegenden Verletzung von Grund und Menschenrechte urteilen (zwei bekannte Fälle vorhanden) haben mögliche Täter kaum etwas zu befürchten.

    In einer Flut von Urteile durch die Sozialgerichte bestätigt sich die Annahme das eine ganze Flut von Vorgehen durch das KJC schlicht gegen das Gesetz waren. Es folgt Abhilfe aber die Ursache des Übels bleibt.

    Seltsam oder ? Vor dem Gesetz sollen doch alle gleich sein oder ?

    Schwerwiegend Grund und Menschenrecht verletzt. In anderen Sachen spricht man auch von Verbrechen gegen die Menschlichkeit, so mit das schlimmste Übel was die Welt anzubieten hat. Ich frage mich muss man unbedingt ein Hammer nehmen um menschen zu töten ? Es genügt doch auch eine bestimmte Masse mit Sanktionen zu erschlagen oder ?

    Was für ein Gedanke den wir doch schon mal in etwas anderer Form hatten … eine bestimmte Masse von menschen die man mehr und mehr entrechtet und so tief absteigen lässt das sie am Ende sterben. Holocaust nur ohne Gas ?

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