Teacher, preacher, friend and cop*

Diese Scheißhausparole kann dazu beitragen, zu erklären, warum so viele Erwerbslose (und Beschäftigte der Jobcenter) nach einer Weile psychisch krank sind.**

Übersetzt heißt das Leitbild: „LehrerIn, PriesterIn, FreundIn, PolizistIn“, und die „ArbeitsvermittlerInnen“*** im Jobcenter sollen all das gleichzeitig sein.

Kein Wunder, daß die manchmal die Übersicht verlieren, wenn sie sich von ihrem Arbeitgeber einreden lassen, sich im Kontakt mit Erwerbslosen tatsächlich so zu verhalten!
Selbstverständlich entschuldige ich das nicht, auch wenn ich zugebe, daß die Leute mir leid tun. Wer sowas als belastend erlebt, bitteschön, der soll es halt sein lassen. EIGENVERANTWORTUNG!!!

Für die Beschäftigten im Jobcenter ist es zwar bezogen auf das einzelne Gespräch leichter, solche Rollenspielchen zu spielen, denn wenn sie mißlingen, was bei dieser Tätigkeitsbeschreibung zwangsläufig der Fall sein muß, können sie leicht den jeweils betroffenen Leistungsbeziehenden die Schuld zuweisen.
Trotzdem muß man auch berücksichtigen, daß die Beschäftigten den ganzen Tag im Jobcenter und in solchen Interaktionen sind, und vermutlich in vielen Fällen auch ihren Vorgesetzten fortwährend beweisen sollen, daß sie voll überzeugte „teacher, preacher, friend and cop“s sind. Deswegen nehme ich an, daß es unterm Strich genauso krankmachend ist wie für Erwerbslose.
Wie gesagt, ich sehe darin keine Entschuldigung.

Wie bizarr das wirklich ist, sieht man, wenn man mal die komplementären Rollen benennt, die wir Erwerbslosen dann demnach dabei spielen sollen, wir sollen also praktisch gleichzeitig SchülerInnen, religiöse AnhängerInnen, FreundInnen und Kriminelle sein.

Wär schon lustig, wenn es nicht so kraß wäre.
Ich meine, man muß sich mal vorstellen, wie eine Person, die alle diese Rollen gleichzeitig auszufüllen versucht, sich in einem konkreten Gespräch tatsächlich verhält.

Geht gar nicht, oder? Wir Erwerbslosen werden also in eine Rolle gedrängt, die zu spielen unmöglich ist. So sind wir garantiert immer im Unrecht.

Ich hab mich mal irgendwann entschieden, diese Rollenspiele offen abzulehnen, statt rumzueiern.

Also ganz offiziell, ihr Lieben:

– Ich bin keine Schülerin des Jobcenters, vielmehr halte ich das, was dort „gelehrt“ wird, für Bullshit.
– Ich bin auch keine religiöse Anhängerin des Jobcenters, vielmehr bete ich, daß dies keiner weiteren Erklärung bedarf.
– Und falls ich mich mal mit irgendeiner Person anfreundinnen sollte, die im Jobcenter arbeitet, dann wird es trotzdem sein und nicht deswegen, und auch dann werde ich die Dienstleistungen des Jobcenters zur „Integration in den Arbeitsmarkt“ nicht in Anspruch nehmen.
– Ich sehe auch gar nicht ein, dem Jobcenter zuliebe kriminell zu werden ODER MICH SO BEHANDELN ZU LASSEN!!!

————-
* Das ist laut Helga Spindler ein Leitbild für die Arbeit der Jobcenter:
„Und wie Case- Management, die aktuelle Lieblingsmethode im Aktivierungsgeschäft, durchzuführen ist, wird heute schon weit mehr durch die Bertelsmann Stiftung vorgeschrieben als aus den Lehrbüchern der Sozialen Arbeit unterrichtet. „Teacher, preacher friend and cop“ soll nach US-amerikanischem Vorbild der moderne Case – Manager sein, der seinem Klient/inn/en den richtigen Weg weist.“
** Es sei denn, man hängt der weit verbreiteten Theorie an, daß es der Besitz unveräußerter Arbeitskraft sei, der uns krank macht.
Übrigens erklärt diese auch nicht, wieso auch die Beschäftigten der Jobcenter so häufig krank werden.
*** Dieses Wort verwende ich nicht gerne ohne Anführungszeichen, denn das letzte, was diese Leute (und zwar selbst beim besten Willen) tun, ist, eine Arbeit zu vermitteln.

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